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( Quelle : www.aerzteblatt.de/nachrichten/47760 )

Donnerstag, 20. Oktober 2011
Hilft Rituximab bei chronischem Erschöpfungssyndrom?

Bergen – Ist das chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) eine Autoimmunerkrankung? Norwegische Mediziner berichten in PLoS ONE (2011; 6: e26358) über Therapieerfolge mit dem monoklonalen Antikörper Rituximab, der zur Behandlung von Lymphomen und Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird.

Es handelt sich um eine Zufallsentdeckung. Oystein Fluge und Olav Mella von der Haukeland Universitätsklinik in Bergen hatten einen Patienten mit Hodgkin-Lymphom, der gleichzeitig an einem CFS litt, mit Rituximab behandelt.

Der monoklonale Antikörper, der zur Therapie des Non-Hodgkin-Lymphoms eingeführt wurde, wird manchmal beim Hodgkin-Lymphom eingesetzt, wenn es zu einer Proliferation von CD20-positiven Lymphozyten gekommen ist.

Der Anti-CD20-Antikörper führt zu einer Depletion dieser B-Lymphozyten. Diese Zellen sind für die Bildung von krankheitsspezifischen Antikörpern zuständig, die auch im Rahmen von Autoimmunerkrankungen auftreten. Seit einigen Jahren wird Rituximab bei der Rheumatoiden Arthritis und verwandten Erkrankung eingesetzt.

Nach dem Ende der Chemotherapie des Morbus Hodgkin mit Rituximab stellten sich bei dem Patienten die Erschöpfbarkeit und andere Beschwerden des CSF wieder ein. Fluge und Mella stellten deshalb die Arbeitshypothese auf, dass das CFS zu den Autoimmunerkrankungen gehört. Nach weiteren erfolgreichen Behandlungen einzelner Patienten begannen sie eine kleine randomisierte placebokontrollierte Studie, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

An der Studie hatten 30 Patienten teilgenommen, die die Fukuda-Kriterien erfüllten. Sie fordern eine Krankheitsdauer von sechs Monaten sowie vier von acht Symptomen und einen klar definierten Krankheitsbeginn. Er ist ein wesentliches Kennzeichen der CFS, während die Symptome, so quälend sie für den Patienten sein mögen, diagnostisch schwer zu greifen sind.

Die Patienten klagen über Störungen von Konzentration und Kurzzeitgedächtnis, Halsschmerzen, empfindliche Hals-und Achsellymphknoten, Muskelschmerzen, Gelenkbeschwerden (ohne Schwellung und Rötung), Kopfschmerzen, über einen nicht erholsamen Schlaf sowie über eine rasche Erschöpfbarkeit nach Anstrengungen.

In den letzten Jahren war diskutiert worden, ob die Erkrankung durch das Xenotropic murine leukemia virus-related virus (XMRV) ausgelöst wird. Diese Hypothese wurde inzwischen verlassen. Auch die norwegischen Patienten waren auf XMRV getestet worden. Bei keinem waren Gene des XMRV nachweisbar.

Die Patienten erhielten im Abstand von zwei Wochen Kurzinfusionen mit Rituximab oder Placebo. Bei zehn von 15 Patienten, die mit Rituximab behandelt wurden, kam es in den Monaten nach der Behandlung zu einer mäßigen bis deutlichen Verbesserung in einem Symptomscore. Im Placebo-Arm berichteten nur zwei von 15 Patienten über eine Linderung ihrer Symptome.

Die Therapiewirkung hielt im Durchschnitt 25 Wochen an. Mit dem Wiederauftreten von CD20-Zellen stellten sich auch die Symptome des CFS wieder ein. Vier Patienten waren aber auch nach Abschluss der Studie noch in „Remission“. Fluge und Mella glauben allerdings, dass es auch bei ihnen früher oder später zu einem Rezidiv kommt, wie dies die Erfahrungen bei der rheumatischen Arthritis und anderen Autoimmunerkrankungen zeigen. In den beiden laufenden Folgestudien erhalten die Patienten deshalb in den Monaten 3, 6, 10 und 15 Folgeinfusionen.

Rituximab wurde in Deutschland bereits 1998 als MabThera zur Behandlung des Non-Hodgkin-Lymphoms eingeführt. Seit 2006 ist es auch zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen. Der Hersteller Roche erzielte 2010 einen Jahresumsatz von 6,3 Milliarden US-Dollar. Mabthera (international auch als Rituxan vermarktet) gehört zu den zehn weltweit umsatzstärksten Medikamenten.

Eine Therapie, die tief in die Produktion von Antikörpern eingreift, ist nicht frei von Nebenwirkungen. Gefürchtet ist vor allem ein langfristig erhöhtes Risiko von Infektionen und Tumorerkrankungen. Derartige Komplikationen waren in der kurzen Pilotstudie nicht zu befürchten.

Es kam nur zu leichten Infusionsreaktionen. Bei zwei Patienten kam es zu einer Verschlechterung einer vorbestehenden Psoriasis. Zwei Patienten klagten zu Beginn der Therapie über eine vorübergehende Zunahme der CFS-Beschwerden.

Die Ergebnisse einer kleinen randomisierten Therapie etablieren sicherlich keinen Therapieansatz beim CFS. Im nächsten Schritt müssen die Ergebnisse von anderen Zentren reproduziert werden. Die Therapiekosten sind wie bei anderen monoklonalen Antikörpern recht hoch. Die Durchstechflasche mit 500 mg kostet laut Roter Liste 2.068 Euro. In der Studie hatten die Patienten pro Infusion bis zu 1000 mg Rituximab erhalten. © rme/aerzteblatt.de


 
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