Jörg Wambach - Dr.Carmen Scheibenbogen
   
  Jörg Wambach
  Dr.Carmen Scheibenbogen
 
( Quelle : www.fatigatio.de/fileadmin/docs/Forschung/Opinionleader_Scheibenbogen_TYSK_FINAL.pdf )



PRESSEMELDUNG
Sperrfrist: Oktober 2011
Medizinischer Durchbruch bei mysteriösem Chronic Fatigue Syndrome
Das Chronische Erschöpfungssyndrom ist eine rätselhafte Krankheit. Viele Menschen leiden darunter, die
Ursache ist unbekannt, und eine wirksame Therapie gibt es bislang nicht. Jetzt gelang einem
Forscherteam aus Norwegen mit einem Medikament aus der Krebsmedizin erstmals ein Durchbruch bei
der Behandlung. Carmen Scheibenbogen vom Institut für Medizinische Immunologie an der Berliner
Charité hat langjährige Erfahrung mit der mysteriösen Krankheit und ist überzeugt, dass die norwegische
Studie ein entscheidender Schritt ist. Gerade für Patienten in Deutschland ist das eine wichtige Nachricht.
Denn die Situation von CFS‐Patienten ist hier besonders schlecht.
Das Chronische Erschöpfungssyndrom, auch Chronic Fatigue Syndrome (CFS), ist eine Krankheit, die kaum
bekannt ist, obwohl sie häufig vorkommt. In Deutschland sollen 300.000 Menschen daran leiden. Die
Symptome: geistige und körperliche Erschöpfung, Schlafstörungen, permanente Müdigkeit, Konzentrationsund
Gedächtnisstörungen, Schmerzen in den Gelenken und Muskeln, grippeähnliche Hals‐ und
Kopfschmerzen. Nach Anstrengungen verschlechtert sich der Zustand. Bei schwerem Verlauf werden die
Patienten arbeitsunfähig und können kaum noch das Bett verlassen. Aufgrund der unspezifischen
Symptome ist CFS schwer diagnostizierbar und wird oft als psychisches Leiden betrachtet.
Bei zwei Dritteln der Patienten verbesserte sich der Zustand
Eine gerade abgeschlossene Patientenstudie der norwegischen Haukeland‐Universitätsklinik in Bergen
belegt jetzt, dass es sich um eine körperliche Fehlfunktion handelt, für die es eine erfolgversprechende
Therapie gibt. Die CFS‐Patienten wurden mit dem Antikrebsmittel Rituximab behandelt und zwölf Monate
beobachtet. Rituximab, entwickelt für Chemotherapie bei Lymphdrüsenkrebs, setzt die B‐Zellen des
Lymphsystems außer Gefecht. Bei zwei Dritteln der CFS‐Patienten verbesserte sich der gesundheitliche
Zustand. In der Placebo‐Kontrollgruppe berichteten lediglich 13 Prozent der Patienten von einer Besserung.
Insgesamt nahmen 30 zufällig ausgewählte Patienten an der Studie teil. Weder die Patienten noch die Ärzte
wussten, ob die jeweilige Behandlung mit Rituximab oder einem Placebo erfolgte. Derzeit bereitet die
Haukeland‐Universitätsklinik eine zweite, größer angelegte Studie vor.
Professor Carmen Scheibenbogen, stellvertretende Leiterin vom Institut für Medizinische Immunologie der
Charité in Berlin, stuft die Ergebnisse der CFS‐Studie als „Durchbruch“ ein. „Das ist ein ganz wichtiger
Schritt, ein Novum. Erstmals wurde eine Therapiestudie mit einem Medikament durchgeführt, das wirklich
am Immunsystem ansetzt und bei einem großen Teil der Patienten wirksam war.“ Die Internistin leitet seit
vier Jahren die Ambulanz für Immundefekte an der Charité. Jeder vierte Patient, der hier hinkommt, leidet
am Chronischen Erschöpfungssyndrom. Zur Immundefekt‐Ambulanz kommen oft Patienten, die mit
schweren Infekten zu tun haben. „Und Patienten mit CFS haben häufig auch mehr Infekte“, sagt Carmen
Scheibenbogen. „Meistens beginnt CFS mit einem Infekt. Bei Patienten mit CFS finden wir auch häufiger
Immundefekte. Deswegen kommen sie zu uns.“
In Deutschland fühlt sich kein Arzt für diese Krankheit zuständig
Carmen Scheibenbogen und ihre Immundefekt‐Ambulanz nehmen in Deutschland eine einzigartige Stellung
ein und besitzen beim Thema CFS viel Erfahrung und Wissen. „Die Situation der CFS‐Patienten ist verglichen
mit anderen Krankheiten ungünstig. Es gibt in Deutschland keine Ärzte, die sich dafür zuständig fühlen, am
ehesten noch die Psychiater. Es gibt keine Zentren, zum Beispiel an den Universitäten, wo jemand sitzt, der
mit CFS‐Patienten Erfahrung hat und sich mit der Krankheit beschäftigt. Es gibt selbst in großen Klinikenkeine Sprechstunde für CFS‐Patienten, es gibt keine Spezialisten, die sich damit auskennen. Was wir hier in
der Immundefekt‐Ambulanz machen, ist eine Ausnahme.“
Die Behandlung sei bei vielen CFS‐Patienten lediglich symptom‐orientiert, konstatiert Carmen
Scheibenbogen. Da werden dann die Schmerzen oder die Schlafstörungen behandelt, mehr nicht. In ihrer
Immundefekt‐Ambulanz geht man darüber hinaus. „Wir versuchen an dem Immundefekt anzusetzen. Wir
denken, dass bei vielen Patienten eine chronische Infektion diese Symptome auslöst und versuchen dann,
diese Infektion gezielt zu behandeln.“
Etwas Vergleichbares gab es bislang nicht
Auch die Studie der Haukeland‐Universitätsklinik setzt am Immunsystem an. Die B‐Zellen, die durch das
Antikrebsmittel Rituximab angegriffen werden, spielen eine wichtige Rolle bei der Immunregulation.
„Rituximab hat viele Effekte“, erläutert Carmen Scheibenbogen. „Wir wissen, dass es einen Teil der B‐Zellen
vorübergehend kaputt macht. Wir wissen aber nicht genau, was das jetzt heißt im Hinblick auf die Ursache
des Chronic Fatigue Syndromes.“ Aus ihrer Sicht gibt es zwei Möglichkeiten. „Eine Möglichkeit wäre, dass es
sich um eine Autoimmun‐Erkrankung handelt, bei dem das Immunsystem durch einen Infekt getriggert wird
und überschießend oder in die falsche Richtung reagiert. Autoimmun‐Erkrankungen kann man behandeln,
indem man die B‐Zellen wegnimmt. Die andere Hypothese ist, dass der Epstein‐Barr‐Virus häufig Auslöser
dieser Krankheit ist. Der Epstein‐Barr‐Virus befällt gezielt B‐Zellen. Wenn man nun B‐Zellen zerstört, nimmt
man dem Epstein‐Barr‐Virus auch sein Reservoir weg. Das ist die Hypothese, die wir favorisieren. Auch
wenn man im Moment die Ursache von CFS noch nicht klären kann, entscheidend für die Patienten und die
Therapie ist, dass Rituximab wirksam ist.“
Die Studie der Haukeland‐Universitätsklinik ist darum auch eine Bestätigung der Erfahrungen, die
Scheibenbogen seit Jahren mit CFS‐Patienten macht. „Das ist ein Durchbruch bei der Behandlung dieser
Krankheit“, resümiert Carmen Scheibenbogen. „Der Behandlungsansatz der Studie zielt darauf, das
Immunsystem anzugreifen und führt zu einem Ergebnis: Den Patienten geht es besser. Etwas Vergleichbares
gab es bislang nicht.“
Info 1
Medikamente, die die B‐Zellen reduzieren, werden bei diesen Krankheiten eingesetzt:
‐ Lupus erythematodes (Autoimmunerkrankung, die das Bindegewebe befällt)
‐ Non‐Hodgkin‐Lymphom (bösartige Erkrankungen des lymphatischen Sytems)
‐ Rheumatoide Arthritis (Gelenkentzündungen, ausgelöst durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems)
Info 2
Hersteller von Medikamenten, mit denen man B‐Zellen reduzieren kann:
‐ Roche
‐ Genentech
‐ GlaxoSmithKline
‐ Human Genome Sciences
‐ Genmab
‐ Pfizer
‐ Emergent BioSolutions
 
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